Königsorden nach 150 Jahren wiedergefunden

 

Von Martin Noormann

Schützenkönig Anton B. Behrens regierte von 1857 bis 1858 nach einem großen Fest in Jever.

Diesen Königsorden trug Schützenkönig Anton B. Behrens von 1857 bis 1858 an einer silbernen Kette. Der lange „verschollene“ Orden wurde vor wenigen Monaten von einem fachkundigen Sammler aufgefunden. Bild Martin Noormann

JEVER/MX. Eine ereignisreiche Amtszeit für einen Schützenkönig von Jever gab es nunmehr 150 Jahren. Es war das 56. Königsjahr von 1857 bis 1858. In diesem Jahr wurden die Schützen in der Marienstadt Jever von Anton B. Behrens regiert, seines Zeichens „Brandcassen- Receptor“ in Jever. Seine Aufgabe war somit die Erhebung der Beiträge für die jeversche Brandkasse. Somit war er König Anton Behrens ein angesehener Bürger. Sein Wirken als Schützenkönig von 1857 bis 1858 belegen alte Analen und besonders sein Königsorden, der lange nicht auffindbar war.

Diesen jetzt 150 Jahre alten Orden fand Berend Irps aus Schortens- Roffhausen, ein Fachmann auf dem Gebiet von Münzen, Ehrenzeichen und ähnlichen Dingen durch entsprechende Hinweise im Herbst des vergangenen Jahres. Dieses gibt Anlass, in den Aufzeichnungen zu blättern. Das Schützenwesen in Jever geht auf die Initiative des Fürsten Friedrich August von Zerbst vom 10. Juli 1786 zurück. Die im gleichen Jahr gegründete Schützenkompanie war stellte 1818 die Aktivitäten ein, vermutlich auf Grund der politischen Ereignisse. Doch bereits am 30. Januar 1834 „constituirte“ sich der Schützenverein neu. Die kurze Unterbrechung erklärt, dass es 1857 erst den 56. Schützenkönig gab. Der jeweilige König nach der Wiedergründung des Vereins erhielt von diesem ein silbernes Ehrenzeichen, welches während des Jahres an einer silbernen Kette um den Hals getragen und danach auf der Uniform aufzuheften war.

 Das jetzt wieder aufgefundene Ehrenzeichen hat Anton B. Behrens im Verlauf des Schützenfestes vom 27. Juli bis 2. August 1857 errungen und zwar gleich am ersten Festtage und ein Jahr mit Stolz als Königsorden an der Kette und danach weiter getragen haben.

 Das Programm besagt, dass am 27. Juli „nach der Königsscheibe“, am 30. und 31. Juli „nach dem Vogel“ und an den übrigen Tagen „nach der Nummernscheibe geschossen wird“. Vier große Festumzüge gab es dazu in der Schützenfestwoche. Dazu versammelte sich die „Schützen- Companie“ am Montag um 8 Uhr morgens bei der „Rockenmühle“, am Donnerstag auf der Schlachte, am Freitag um 10 Uhr beim „Hof von Oldenburg, und am letzten Festsonntag nachmittags um 3 Uhr bei der „Caserne“. Die Umzüge führten auf unterschiedlichen vorher genau bestimmten Weg zum „Schützenhof“.

 Die ersten Weichenstellungen für das Jahresfestes erfolgten bereits in der General- Versammlung des Schützenvereins zu Jever am 21. Mai 1857 im Lokal „Buskohl“, so hieß der „Schützenhof“ zu diesem Zeitpunkt noch, aber nicht mehr sehr lange, denn bereits am 7. Juni dieses Jahres verkündete das Amt Jever in einer öffentlichen Bekanntmachung: „Mit Genehmigung Großherzoglicher Regierung hat die Jeversche Schützengesellschaft dem von ihr gekauften Theil der Landstelle „Buskohl“ Namen „Jeverscher Schützenhof“ beigelegt. Ebenfalls am 7. Juni 1857 beginnt die Schützen- Commission mit den Vorbereitungen und ruft die Betreiber von Marktgeschäften auf, wobei ausdrücklich darauf hingewiesen wird, das der Festplatz „nicht weit von der Stadt entfernt, hoch belegen ist und dahin ein guter Fuß- und Fahrweg führt“. Weiter werden zum Fest noch die Fertigung der Königs- und sonstigen Scheiben, auch das Aufrichten derselben, die Anfertigung und das Aufrichten des Vogels sowie das Aufrichten der Flaggenstangen und die Lieferung der Patronen „ausverdungen“. Mit diesem heute nicht mehr gängigen Begriff ist gemeint, dass die Leistungen allgemein ausgeschrieben werden und jeder Interessent ein Angebot machen kann.

 Wenn die Ankündigung sagt, der Festplatz ist „nicht weit von der Stadt entfernt“, so zeigt dieses die kommunale Zuordnung. Der Bereich um den Schützenhof gehörte noch nicht zum engeren Stadtbereich. Für den engeren Stadtbereich wäre in Jever als Stadt erster Klasse der Magistrat zuständig gewesen, da die Stadt nicht dem Amt unterstellt war. Den neuen Namen des Schützenhofes gibt jedoch Amtshauptmann v. Harten vom Amt Jever bekannt, weil das Gebiet noch zu seinem Amtsbereich zählt.

Genauestes geregelt wurde auch die An- und Abfahrt der Marktgeschäfte wie auch der Festteilnehmer. Diejenigen, welche zum und vom Schützenhofe Zelte und anderes bringen, müsten in der Regel den geraden Weg durch das Gehölz benutzen. Dabei sind leere Wagen an engeren Stellen wartepflichtig. Wer dagegen handelt, dem wird das Fahren zum Festplatz untersagt. Passagierwagen dürfen nicht weiter als vor den Schützenhof selbst fahren. Feldwebel Becker und aufgestellte Wachen waren von der Commission beauftragt, auf die Einhaltung der Regeln zu achten. Mit dem großen Zapfenstreich am Sonntag, 26. Juli, „präcise 8 ½ Uhr Abends“ beim „Hof von Oldenburg“ wurde dann das Schützenfest eingeleitet. Es wurde dann wohl auch entsprechend gefeiert, die Restaurationsbetriebe hatten entsprechend geworben. Es wurden über den Festverlauf leider keine Aufzeichnungen gefunden. Sollte ein Leser hier etwas beitragen können wird um Nachricht unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! gebeten.